Food-Lieferketten unter Druck

Ein einfacher Check zeigt, dass das Thema Lieferkette derzeit auf größtes Interesse stößt. Geben Sie im Suchfeld bei der Suchmaschine mit dem „G“ lediglich die Worte „Lieferkette“ sowie „Lebensmittel“ ein und Sie bekommen weit über 900.000 Suchergebnisse (27.06.2022) angezeigt. Und in bester Platzierung, auf der von SEO-Spezialisten berufsbedingt avisierten ersten Ausgabeseite, tauchen unter der Headline „ähnliche Fragen“ beispielsweise folgende Sätze auf, die vor der Pandemie und dem Ukraine-Konflikt kaum von Bedeutung waren: Wird es bei Lebensmitteln Lieferengpässe geben? Welche Lebensmittel sind von Lieferengpässen betroffen? Welche Lebensmittel werden nicht mehr geliefert?

 

Die Auswirkungen von nicht rundlaufenden Lieferketten sind deutlich spürbar

Doch warum ist dieses Thema in aller Munde? Es herrscht nicht nur Leere im Sonnenblumenölregal. Hier stehen oft nur noch einzelne und eher die teuren Flaschen einsam im Regal. Schilder mit dem Hinweis „derzeit nicht lieferbar“ sind zunehmend an vielen Regalen zu finden. Hamsterkäufe von beispielsweise Mehl, Hefe, Küchenrollen oder Toilettenpapier sind landläufig Praxis. Der Handel reagierte bereits mit drastischen Mengenbeschränkungen beim Einkauf. Zustände, die seit März 2020 fast zur Normalität geworden sind. Doch auch aufgrund des Ukraine-Konflikts und der berechtigten, EU-seitig ausgesprochenen Handelsembargos im Außenwirtschaftsverkehr gestaltet es sich immer komplexer, einen gesicherten Warenfluss am Laufen zu halten. Die Folgen treffen Kunden ebenso wie die gesamte Food- und Logistik-Branche: Mehrkostenbelastungen und Kapazitätsverknappung bestimmen zunehmend die Tagesordnung. Auch die Auswirkungen von pandemiebedingten Einschränkungen in China führen immer noch zu erheblichen Verzögerungen bei der Produktion und der Abfertigung von Waren und führt zu Störungen von global ausgerichteten Supply Chains. Hohe Einkaufspreise, längere Laufzeiten und ein gestiegener Planungsaufwand sind oftmals die Folge, die Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. Nahrungsmittelhersteller, der Handel und die Logistik sind mit hohen Energie- und Rohstoffkosten konfrontiert, was die Kosten für Produktion und Logistik steigen lässt und auch für die Verbraucher zu diversen Preiserhöhungen führt. Neben den steigenden Preisen für Strom, Gas und Diesel hat auch die Knappheit vieler Rohstoffe einen spürbaren Einfluss auf die Lieferketten sowie die Geldbörse der Verbraucher. Zudem gibt es zunehmend Engpässe beispielsweise bei Kartonagen, Folien, Etiketten, Holz und Paletten sowie bei Stellplätzen in Warehouses.Alfred Miller, Managing Director von DACHSER Food Logistics: „Wir haben aktuell eine steigende Nachfrage nach Lagerkapazitäten. Die Kunden erweitern ihre Lagerbestände, wodurch temporär kaum noch Lagerfläche für beispielsweise das Saisongeschäft verfügbar ist“. Miller macht zudem deutlich, dass sich die Folgen des Ukraine-Konflikts auch in steigenden Palettenpreisen und Laderaummangel zeigen.

Engpässe und Fahrermangel sorgen für weitere Spannungen innerhalb der Supply Chain

Doch Transportprobleme und Störungen in den Lieferketten lassen sich ebenso auf den generellen Mangel an freien Containerkapazitäten, hier insbesondere an Kühlcontainern (die für den Transport von temperaturgeführten Lebensmitteln geeignet sind), sowie auf den Mangel an Frachtkapazitäten auf Schiffen und auf Engpässe in den Häfen zurückführen. Die weltweiten Staus und Verzögerungen in der Containerschifffahrt haben aktuell auch in deutschen, niederländischen und belgischen Häfen Auswirkungen auf die Lieferketten. Es deuten sich bereits Problemstellungen bei der Be- und Entladung sowie beim Abtransport der Waren via Lkw an. Denn auch hier ist der Mangel an Kraftfahrern ein wesentlicher Grund dafür, dass große Transportaufkommen, die über Lkw abgewickelt werden, zunehmend nur unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden können. In Deutschland fehlen derzeit bis zu 80.000 Fahrer, in ganz Europa etwa 400.000. Gründe dafür sind in vielen Fällen die Entlohnung, das schlechte Image des Berufs, unattraktive Arbeitszeiten und schlechte Rahmenbedingungen wie überfüllte Straßen, schlechte Sanitäranlagen und fehlende Parkplätze. Die Auswirkungen des Fahrermangels sind nicht nur für die Logistikunternehmen schwerwiegend, sondern auch für die gesamte Lebensmittelbranche und die Sicherheit der Lieferketten. Dazu Karlkristian Dischinger, geschäftsführender Gesellschafter der karldischinger gruppe und Gründungsmitglied des European Food Network: „Leider haben wir bei einigen Kundenanfragen schon keine Angebote mehr abgeben können, weil wir zu wenig Kraftfahrer zur Verfügung hatten. Doch die Problemstellung Fahrermangel ist uns seit Jahren bewusst. Wir akquirieren europaweit, mit Schwerpunkt auf dem Osten, schon lange verstärkt Fahrer, stellen ihnen und auch ihren Familien eine adäquate Unterkunft bereit, bezahlen sie vom ersten Tag an mit deutschen Gehältern, helfen ihnen, die deutsche Sprache schnellstmöglich zu lernen und führen entsprechende Technikschulungen durch, um den Mangel schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Aufgrund der aktuellen Lage verstärken wir diese Aktivitäten nochmals massiv.“

Wie reagieren Unternehmen auf Rohstoffmangel und Lieferengpässe?

Um die Herausforderungen zu meistern, setzen Unternehmen bisher vor allem folgende Maßnahmen um: Preiserhöhungen, Ausbau des Lieferantennetzes, Erhöhung der Lagerhaltung, Personalanpassung und Verlagerung der Produktion an amdere Standorte. Mit großer Power werden die Themen Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen vorangetrieben. Auch die Zielsetzung, klimaneutral zu werden – beispielsweise durch die Einsparung von CO2-Emissionen – verändert das Zusammenspiel von Auftraggeber und Logistikpartner und hat großen Einfluss auf die zukünftige Gestaltung von Supply Chains.

Aufbau eines neuen partnerschaftlichen Netzwerks in der Supply Chain

Um leere Supermarktregale in Zukunft zu vermeiden, müssen viele Unternehmen in der Food-Branche ihre Lieferketten neu denken und umstrukturieren. „Für die Neustrukturierung von Lieferketten ist ein umfassend vernetzter Ansatz dringend erforderlich. Die Supply Chains können nur noch über nachhaltig geprägte Partnerschaften aufrechterhalten werden“, bekräftigt Alfred Miller. Denn die geforderte Qualität für die Realisierung von Lieferketten entsteht in Liefernetzen nicht als Summe der qualitativen Beiträge der einzelnen beteiligten Unternehmen, sondern aus einer aktiven Vernetzung aller Teilnehmer einer Supply Chain – von Rohstofflieferanten, über Hersteller, die Logistik bis hin zum Handel. Neue Organisationsformen, umfassend digitalisierte Prozesse und vernetzungserfahrene Mitarbeiter sowie eine lieferantenübergreifende Qualitätssicherung sind unabdingbar, um den Warenfluss nachhaltig zu sichern. Last but not least sind ausreichende Warehouse-Kapazitäten und auf CO2-Neutralität ausgerichtete Transporte sowie eine vorausschauende Lieferkettenpolitik essenziell.

„Herausforderungen entlang der Supply Chain müssen wir gemeinsam und partnerschaftlich begegnen.“

l.: Peter Galliker, CEO Galliker Transport AG – r.: Till Bischoff, Spedition Heidelmann GmbH

 

Statement Peter Galliker, CEO Galliker Transport AG:

„Die Auswirkungen der aktuellen Lieferketten-Problematik auf uns als Unternehmen sind vielfältig. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht, im Gegenteil. In den letzten Monaten sind die Herausforderungen und Anforderungen an die Logistikunternehmen weiter gestiegen. Besonders im Bereich der Anlieferung ist von den Mitarbeitern und beim Umschlagen insbesondere von unseren Warehouse-Experten höchste Flexibilität gefragt, denn ein Großteil der eingehenden Sendungen ist dringend. Wir beobachten zudem, dass unsere Kunden ihre Lagerkapazitäten bei uns stetig erhöhen. Dadurch können wir zunehmend weniger Lagerfläche zur Verfügung stellen. Um trotzdem möglichst vielen Kundenanfragen gerecht werden zu können, sind unsere Spezialisten im Bereich der Lagerlogistik stetig auf der Suche nach zusätzlichen Lagerflächen, vor allem für temperaturgeführte Ware. Unser derzeitiges Credo lautet: ‚Augen offen halten und bei sich bietenden Möglichkeiten schnellstmöglich reagieren.‘ Denn die Probleme häufen sich auf allen Seiten: Große Volumenschwankungen innerhalb weniger Tage erschweren unsere Planung auch im Transportbereich. Bei den Empfängern kommt es vermehrt zu langen Wartezeiten, da die außergewöhnlich hohen Mengen nicht in der vorgesehenen Zeit verarbeitet werden können. Bilder von sich häufenden Containern in Häfen auf der ganzen Welt sind aus den Medien derzeit nicht mehr wegzudenken. Wenn dann auch noch unsere Lkw längere Abladezeiten haben als dafür vorgesehen, führt dies bei Nachfolgesendungen zu weiteren Verzögerungen.“

Statement Till Bischoff, Spedition Heidelmann GmbH:

„Wir müssen die Auswirkungen der aktuellen Lieferketten-Problematik auf unser Unternehmen differenzieren: Auf der einen Seite gibt es solche, die sich bei der Beschaffung von eigenen Arbeitsmitteln wie Fahrzeugen oder IT-Equipment bemerkbar machen. Es ist ein deutlich erhöhter planerischer Aufwand nötig, um die benötigten Betriebsmittel – sofern überhaupt möglich – zur richtigen Zeit vorrätig zu haben. Außerdem haben wir in allen Bereichen deutlich höhere Beschaffungskosten. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Auswirkungen auf unsere Dienstleistungen, die zwar maßgeblich mit den Problemen bei der Beschaffung verbunden sind, darüber hinaus aber auch mit der allgemeinen Marktlage – unter anderem Fachkräfte- und Frachtraummangel. Wo es bereits vor Corona und dem Krieg in der Ukraine herausfordernd war, den Kunden ganzjährig die gewünschte Flexibilität bei Kapazitätsschwankungen zu bieten, ist es inzwischen fast unmöglich geworden, kurzfristig sowohl auf geplante als auch auf ungeplante Mengensteigerungen zu reagieren, da Frachtraum und IT-Equipment weder kurz- bis mittelfristig in ausreichender Menge beschafft und Personal nicht bereitgestellt werden kann. Am Ende besteht sogar die Gefahr, dass einzelne Kunden aufgrund von Rohstoffknappheit (Zutaten, Kartonagen, Paletten) nur eingeschränkt oder im schlimmsten Fall überhaupt nicht mehr produzieren können. Als Gegenmaßnahme müssen wir trotz der gleichzeitig stark gestiegenen Unsicherheit noch vorausschauender planen als bisher: Wir legen uns beispielsweise, wo möglich, einen größeren Vorrat an Betriebs- und Arbeitsmitteln, beispielshalber IT-Equipment, an, um Ausfälle und Mängel möglichst kurzfristig kompensieren zu können. Für uns als Dienstleister ist es gerade in dieser Ausnahmesituation essenziell, den Austausch mit unseren Kunden zu suchen. Wir erstellen gemeinsam und frühzeitig angepasste Bedarfs- und Notfallplanungen, da kurzfristige Lösungen und Reaktionen immer seltener realisierbar sind. Speziell das gebündelte und sehr kurzfristige Auftreten von relevanten Themen wie fehlende personelle Ressourcen, Frachtraumknappheit, mangelnde Planbarkeit und die allgemeine Verknappung bestimmter materieller Ressourcen sorgt für nie dagewesene Herausforderungen. Diesen historischen Beeinträchtigungen entlang der gesamten Supply-Chain und speziell in unserer Branche, kann nur gemeinsam und partnerschaftlich begegnet werden.“

Welche Maßnahmen und Strategien der Managing Director von DACHSER Food Logistics Alfred Miller in seinem Unternehmen entwickelt und vorantreibt, um die Supply Chain für seine Kunden abzusichern, lesen Sie in Teil zwei der Themenserie „Food-Lieferketten unter Druck“.

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