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karldischinger gruppe: Aus Überzeugung grün

Karlkristian Dischinger, Geschäftsführer der karldischinger gruppe, hat die Intention, das Familienunternehmen spätestens in zwei bis drei Jahren komplett in Richtung CO2-Neutralität zu führen. Mit welchen Maßnahmen er und seine Familie seit Jahren grüne Strategien mit großer Überzeugung vorantreiben und wie die Mitarbeiter für die Themen begeistert werden, führt er im Interview aus.

 

Herr Dischinger, Ihre Familie kann auf eine weitreichende Tradition im Transportwesen zurückblicken. Wann genau wurden die Grundlagen für die karldischinger gruppe, die das gesamte Spektrum von europaweiten Stückgutverkehren bis hin zu Komplettladungen sowie weitere umfassende Logistikleistungen anbietet, gelegt?

Karlkristian Dischinger:Das ist wirklich schon eine Weile her. Den ersten dokumentierten Transportauftrag hat meine Familie im Jahr 1470 ausgeführt. Das war ein Weintransport von Rotweil am Kaiserstuhl nach St. Blasien zu den Klosterbrüdern, der allerdings nur einmal im Jahr im Nebenerwerb stattgefunden hat. Aber die Bezahlung war trotzdem nicht schlecht. Unser Lohn war ein Lehnshof.

Eine spannende Familiengeschichte: Vom Lehnshofeigentümer mit Nebenerwerb zum Top-Logistiker. Auch Ihre ersten Erfahrungen mit elektrisch angetriebenen Trucks, die Ihr Unternehmen bereits 1996 gesammelt hat, belegen, dass das Familienunternehmen karldischinger sehr früh Trends erkennt und man sich auch nicht davor scheut, eine Vorreiterrolle einzunehmen.  

Karlkristian Dischinger:Eigentlich sind wir eher badisch - zurückhaltend gelassen. Mein Vater hat zwar bereits 1996 einen Hybrid-Lkw, der mit Diesel- und Elektromotor angetrieben wurde, in der city-logistik /oder/ im verteilerverkehr eingesetzt, aber wir haben das nicht groß in die Öffentlichkeit getragen. Es war ein 15 Tonnen-Fahrzeug mit einer Nutzlast von nur 2000 kg, weil damals die Batterien einfach noch zu schwer waren ...“

... und wahrscheinlich überzeugte die Batterie auch nicht mit Leistungsstärke ...

Karlkristian Dischinger: „... das stimmt. Die Reichweite im Elektrobetrieb war nicht wirklich praxisgerecht und sehr effizient war das auch nicht. Doch mein Vater hatte zwei handfeste Gründe, das Fahrzeug über einen längeren Zeitraum für Lieferungen innerhalb Freiburgs einzusetzen: Den Schadstoffausstoß zu reduzieren und die geringe Lärmbelästigung für die Anwohner, weil der Lkw im Elektromodus betrieben sehr geräuscharm war und wir deshalb die Transporte innerhalb der Stadtgrenzen in den frühen Morgenstunden und sogar in der Nacht realisieren konnten.“

Klingt vernünftig. Aber warum wurden Ihrem Vater zum Start des Projektes Hybrid-Lkw trotzdem Steine in den Weg gelegt?

Karlkristian Dischinger:Im wahrsten Sinne des Wortes Steine. Da in der Stadt Freiburg die Straßen mit wunderschönem Kopfsteinpflaster bestückt sind, das von unserem schweren Fahrzeug hätte beschädigt werden können, wurde uns die Einfahrt in die Stadt untersagt. Erst als mein Vater deutlich machte, dass die vor Ort eingesetzten Müllfahrzeuge schwerer sind, durften wir Lieferungen innerhalb der Stadtgrenzen mit dem Hybrid-Lkw durchführen.“

Bereits 1996 hatte die karldischiger gruppe einen Hybrid-Lkw im Einsatz, der mit Diesel- und Elektromotor angetrieben wurde.

 

Haben Sie aktuell E-Trucks in Ihrem Fuhrpark?

Karlkristian Dischinger:Nein. Wenn, dann nur im Testmodus. Die Kosten sind noch zu hoch, die Reichweite passt nicht und die europaweite, flächendeckende Verfügbarkeit von Ladestationen ist derzeit nicht gegeben. In der Fernverkehrsflotte setzen wir ausschließlich EURO-6-Fahrzeuge mit modernster, umweltschonender Technik ein. Auch nutzen wir mehrere Gas-Lkw im Zweischichtbetrieb. Tagsüber sind diese Fahrzeuge in der Werksversorgung und -entsorgung oder in der Produktionslogistik im Einsatz sowie in den Nachtstunden auf ausgewählten Linien, damit wir sicherstellen können, dass die Gas-Lkw an unserer hauseigenen Gastankstelle nachtanken können.

Rechnen sich die gasbetriebenen Fahrzeuge?

Karlkristian Dischinger:Ohne die Mautbefreiung? Keine Chance. Noch weniger auf Grund der aktuell exorbitanten Preissteigerung. Ob wir zukünftig Gas-Lkw einsetzen werden, ist bei uns noch mit einem großen Fragezeichen versehen.

Verständlich. Denn halbwegs verlässliche Rahmenbedingungen für gasbetriebene Lkw gibt es seitens der Politik nur bis 2023, obwohl die EU-Kommission sogar plant, Investitionen in Gaskraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich einzustufen.

Karlkristian Dischinger:Wenn gasbetriebene Lkw ebenfalls als klimafreundlich eingestuft werden, würde das die Sachlage für uns deutlich verändern. Dann muss noch die Infrastruktur insbesondere für den Paradigmenwechsel hin zur E-Mobility flächendeckend bereitgestellt werden sowie die E-Trucks in Serienreife gehen und der Kaufpreis muss passen. Dann haben wir die von den Logistik-Unternehmen gewünschte Planungssicherheit für Investitionen in eine klimaneutralere Flotte. Doch leider ist das derzeit noch nicht der Fall. Wir hatten beispielsweise bei uns ein reinelektrisches Hofrangierfahrzeug im Test. Diesen mussten wir aber bereits nach einem halben Tag abbrechen, weil in unserem Gewerbegebiet über das Stromnetz nicht ausreichend Energie bereitgestellt wurde, um das Fahrzeug zu laden. Es kam sogar zu starken Netzschwankungen.“

Ihr European Food Network-Partner und fast Nachbar Peter Galliker setzt in der Schweiz bereits Wasserstoff-Lkw im Linienverkehr ein. Wann fährt bei ihnen der erste Wasserstoff-Lkw vom Hof?

Karlkristian Dischinger: „Auch dafür muss die Infrastruktur bereitgestellt werden sowie die Kosten passen und die Fahrzeuge müssen Serienreife haben. Daimler hat beispielsweise erst 2024 einen Pilot-Langstrecken-Actros mit Wasserstoffantrieb angekündigt. Deshalb wird es leider noch eine Zeit lang dauern, bis der erste Wasserstoff-Lkw im Linienverkehr bei uns eingesetzt wird. Aber Wasserstoff steht bei uns trotzdem weit oben auf der Agenda. Denn wir werden zukünftig einfach einen Mix aus Wasserstoff- und Elektromobilität brauchen, um klimaneutral unterwegs zu sein. Das in allen Bereichen des Unternehmens zu erreichen, ist meine Intention. Denn die Umwelt nachhaltig zu schützen ist in der DNA der karldischinger gruppe fest verankert.“

Und um diese Überzeugung mit Leben zu füllen wird bei Ihnen schon seit Jahren eine Palette an Maßnahmen umgesetzt. Können Sie die wichtigsten aufzeigen?

Karlkristian Dischinger: „Wenn wir über Klimaschutz reden, betrifft das grundsätzlich das gesamte Unternehmen. Wichtig ist für uns, was wir tun: Seit circa 20 Jahren statten wir unsere Dächer mit Solarpanels aus und produzieren grünen Strom, haben ein Durchschnittsalter unserer Fahrzeugflotte von etwas über zwei Jahren und deshalb immer die modernsten Technologien im Hinblick auf den Schadstoffausstoß am Start. Wir schulen unsere Fahrer, spritsparend zu fahren, kaufen grünen Strom ein, forcieren die Mülltrennung und nutzen soweit möglich LED-Leuchten mit Bewegungsmeldern. Doch noch wichtiger für uns ist es, auf das „Warum“ zu schauen und unsere Mitarbeiter dahingehend zu sensibilisieren: Warum machen wir das eigentlich? Warum sind wir generell grün eingestellt? Denn wenn der Mitarbeiter selber eine intrinsische Motivation hat, etwas Gutes für die Umwelt, für die eigenen Kinder und die nächsten Generationen zu tun, dann bewegen wir uns mit großen Schritten in die richtige Richtung.“

Ein grüner Weg, den Sie nicht verlassen werden ...

Karlkristian Dischinger:... da können Sie darauf wetten. Wir haben 2020 ausgerechnet, wie viel Tonnen CO2 wir überhaupt, auf das gesamte Unternehmen gesehen, emittieren und den Nullpunkt bestimmt, um gezielt weitere Stellschrauben bewegen zu können, die bewirken, dass wir noch effizienter vorgehen können. Auch sind wir gerade dabei, für uns eine Planung zu erarbeiten, bis wann wir in der Lage sind, die CO2-Neutralität zu erreichen und damit einhergehend alle selbstverursachten CO2-Emissionen zu kompensieren. Ich gehe davon aus, dass wir innerhalb der nächsten 1-2 Jahre CO2-neutral agieren.“

Wie kann das funktionieren?

Karlkristian Dischinger: „Aktuell leider nur durch Kompensation. Wir kaufen zum Ausgleich für unseren CO2-Ausstoß, den wir in Eigenregie noch nicht vermeiden können, Emissionszertifikate und nutzen dieses marktbasierte Instrument zur Bekämpfung von Umweltverschmutzung aktiv.“

Eine sinnbringende Investition ...

Karlkristian Dischinger:... durchaus. Denn schon direkt vor unserer Haustür spüren wir bereits die Auswirkungen der Erderwärmung. In unserer Region wird bald wahrscheinlich kein Riesling mehr wachsen. Einfach, weil die klimatischen Bedingungen es nicht mehr hergeben. Eine nahezu undenkbare Situation, die der Normalbürger gar nicht wirklich wahrnimmt. Seit 1470 transportieren wir Wein und aktuell haben wir noch weit über 140 Kunden in diesem Bereich, doch ich habe die Befürchtung, dass der Klimawandel für ein Teil unser Auftraggeber aus der Wein- und Spirituosenbranche wirtschaftlich drastische Folgen haben kann.“

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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